-   Die Luna A von J.A. Rederiet

Im Jahr 2004 begann die Bugsier Reederei mit Bestellung der BUGSIER 1, 2 und 3 mit einem geplanten Pfahlzug von 65t eine Vergrößerung der Flotte. Dabei wurde die HERMES, Bugsiers bis dahin stärkster Schottelschlepper als überzählig erachtet. Folgerichtig wurde der Schlepper Mitte September 2004 an die J.A. Rederiet (Reederei Jens Alfasten) in Horsens, Dänemark, verkauft. Der Schlepper wurde umbenannt in:

Luna A

-   Geschichte

Der Schottel Ruderpropeller wurde in den 1950iger Jahren auf der gleichnamigen Werft in Spay am Rhein entwickelt und in den folgenden Jahren vor allem in Binnenschiffen mit einer Leistung von 100 bis 150PS eingesetzt. 1967 wurde der erste Schottel Traktorschlepper abgeliefert. Es war die JANUS der Reederei Ulrich Harms mit 2x 342KW. Sie war nicht der erste deutsche Traktorschlepper, denn Traktorschlepper mit Voith-Schneider Antrieb gab es in Deutschland bereits seit 1954 (Wassertrecker STIER des Norddeutscher Lloyd). Die Erfahrungen mit der JANUS führten dazu, das Bugsier die erste Bauserie von Traktor-Hafenschleppern mit Schottelantrieben von je 2x 640KW in der Zeit zwischen 1972 und 1974 bei der Schiffswerft und Maschinenfabrik Max Sieghold in Bremerhaven bauen ließ. Das waren BUGSIER 1, 2, 3, 4 und 5. Im Jahr 1976 folgten dann mit BUGSIER 8 und 9 von der gleichen Werft die ersten beiden Schottel-Traktorschlepper für den Hochseeeinsatz. Als sich Bugsier entschloss, weitere Traktor-Hafenschlepper zu bestellen, passten BUGSIER 8 und 9 nicht mehr in das Nummernschema. Bugsier entsann sich der Tradition, Hochseeschleppern Namen zu geben und benannte BUGSIER 8 in ATLAS und BUGSIER 9 in HERMES um. ATLAS ging Ende 1977 bei einer Bergung vor Norwegen verloren. HERMES wurde im europäischen Raum für Seeverschleppungen eingesetzt und lag häufig auch auf Bergungsstation in Cuxhaven. Nach dem Ende der Zeit der Stationsschlepper ging HERMES als Assistenzschlepper nach Hamburg und Wilhelmshaven. Nach dem Ankauf durch die J.A. Rederiet ist die LUNA A in Horsens, Dänemark beheimatet.


-   Beschreibung

Allgemein: LUNA A ist ein Traktor Schlepper mit zwei Ruderpropellern ca. 12m hinter der Bugspitze. Vor den Propellern ist eine Dockstütze vorgesehen, die die Ruderpropeller bei Grundberührungen schützen soll. Auffällig ist das um ca. 2,50m hochgesetzte und über die halbe Schiffslänge gehende Vordeck. Unter dem Heck ist zur Verbesserung der Richtungsstabilität eine große Steuerfläche, die Dockflosse, vorgesehen. Der Knickspantrumpf besteht aus fünf wasserdichten Abteilungen mit einen Spantabstand von 500mm und ist für Klasse E1 eisverstärkt. Der Schlepper wird von zwei Klöckner-Humboldt-Deutz Dieselmotoren vom Typ SBA 8M 528 mit einer Leistung von je 1.160PSe (853KW) bei 900U/min angetrieben. Die Motoren treiben zwei Schottel SRP 503/505 Ruderpropeller mit Kortdüsen an. Die Verbindung erfolgt über eine Kardanwelle und entsprechende Gelenke. Die Propeller haben nach Reparaturen an Blättern und Düse einen Durchmesser von 1,89m (ursprünglich 2,10m). Sie laufen mit 272U/min. Diese Ausrüstung verleiht der LUNA A eine maximale Geschwindigkeit von 11,5kn und einen Pfahlzug von 38t bei 100% MCR und 39t bei 110% MCR. Die hier angegebenen Leistungen gelten für die LUNA A, die 1976 für die HERMES festgestellten Werte können davon abweichen. Die LUNA A hat laut Reedereiangaben folgende Bunkerkapazitäten: Die Tankkapazität für Diesel wurde nach dem Ankauf durch Hinzunehmen anderer Tanks von 141m3 auf 198m3 vergrößert. Die Trinkwassertanks fassen 12,5m3. Als Neubau hatte sie einen Aktionsradius ca. von 4.500 Seemeilen, der sich mit Vergrößerung der Fahrt klassifiziert.


Tank Top Deck:

Im Vorschiff sind Bunkertanks und Lagerräume angeordnet. Dann folgt der Ruderpropellerraum. Dahinter folgt der Maschinenraum mit den beiden Hauptmaschinen, zwei Dieselgeneratoren bestehend aus Deutz BF 6M 716 Motoren mit V.Kaick Generatoren mit einer Leistung von 120KVA bei 380V und 50Hz. Zusätzlich gibt es einen Hafengenerator mit Deutz F4L912 Motor und AVK Generator mit 25KVA bei 380V und 50Hz. Außerdem sind eine Trinkwasseraufbereitungsanlage mit einer Tageskapazität von 3,6m3 sowie das Hydraulikaggregat für die Schleppwinde hier untergebracht. Hinter dem Maschinenraum folgen ein Lagerraum und Kraftstofftanks.


Hauptdeck:

In der Bugspitze sind Lagerräume angeordnet. Dann folgen Sanitäranlagen und auf der Backbordseite je eine Ein- und Zweibettkabine sowie die Messe. An Steuerbord sind es drei Einzelkabinen sowie eine Zweibettkabine. Hinter einem Quergang liegt die Kombüse gefolgt von den beiden Abgasschornsteinen. Der dazwischen und dahinter liegende Raum wurde ursprünglich als Windenraum genutzt. Bei Ablieferung war die Schleppwinde in diesem Raum untergebracht. Auf dem Achterdeck stand eine Beistopperwinde, die von Schleppbügeln geschützt war. Mit dem Umbau zum Einsatz als Hafenschlepper (Stichwort Drei- Mann Schlepper) irgendwann Ende der 1990iger Jahre wurde die Schleppwinde auf das Achterdeck gesetzt, sodass sie vom Steuerhaus einsehbar ist. Es ist eine hydraulische Winde der Firma H.Sürken vom Typ HSW 25/1 mit einer einzelnen Trommel, die 750m Stahldraht von 44mm Durchmesser mit den zugehörigen Vorläufern aufnehmen kann, und einem Spillkopf. Die Winde wird von einem Hägglunds Hochdruck-Hydraulikmotor angetrieben und hat Zugkräfte von 30t (1.Lage) und 17t (8.Lage) bei 16m/min sowie 15t (1.Lage) und 9t (8.Lage) bei 32m/min. Die Haltekraft beträgt 50t in der 3.Lage, das entspricht ca. 65t in der 1.Lage. Am Windenfundament ist ein Schlepphaken mit 40t SWL der Firma Oelkers montiert. Dahinter ist ein schwerer Schleppbock installiert. Die Beistopperwinde und die Schleppbügel gibt es seit dem Umbau nicht mehr.


Backdeck:

Auf der Back ist eine elektrische Ankerwinde der Firma H.Sülken mit zwei Kettennüssen und zwei Spillköpfen montiert. Davor sind zwei Kettenstopper angeordnet ebenso wie ein Spill und eine Rolle. Die Anker müssen nach den Regeln des Germanischen Lloyd ein Mindestgewicht von je 780kg haben. Die Ankerketten sind mindestens 2x 165m lang. Vorne im Aufbau sind die beiden Einzelkabinen für den Kapitän und den Leitenden Ingenieur angeordnet. Außerdem gibt es eine Sanitäranlage und im hinteren Ende die Kabine für den 1.Offizier. Kurz vor dem Niedergang zum Hauptdeck ist je Seite eine Rettungsinsel für 12 Personen installiert. Hinter dem Aufbau folgen getrennt durch einen Durchgang die beiden Schornsteine. Zwischen den Schornsteinen ist ein Festrumpfschlauchboot des Typs DSB 380 mit 25PS Außenbordmotor untergebracht. Der zugehörige Bootskran mit fester Ausladung hat eine zulässige Last von 900kg und steht hinter dem Steuerbordschornstein. Hinter dem Backbordschornstein ist ein hydraulischer Knickarmkran Typ Palfinger PK 23080MC mit einer SWL von 1,6t bei der maximalen Ausladung von 12,3m montiert. Er wurde erst von JA Shipping montiert. Zwischen beiden Kranpodesten wurde das Deck beim Umbau zum Hafenschlepper nach achtern abgeschrägt, um die Sicht von der Brücke auf die Winde zu verbessern.


Brückendeck:

Hier ist das Steuerhaus angeordnet. Mittig an der Vorderfront der Brücke ist der Hauptfahrstand angeordnet. Ein weiterer, abgespeckter Fahrstand aber mit zusätzlich den Bedienelementen für die Schleppwinde befindet an der Rückwand neben dem Niedergang. Vor dem Niedergang liegt an der Backbordwand ein Arbeitsplatz. Die Kommunikationskonsole befindet sich zwischen den beiden Fahrständen. Die Navigationsausrüstung besteht aus zwei Radargeräten, elektronischem Seekartensystem, Differential GPS, Echolot, Magnetkompass, Satellitenkompass, Kreiselkompass, Geschwindigkeitsmesser und AIS. Zu den Sicherheitseinrichtungen gehören unter anderem das automatische Seenot- und Sicherheitsfunksystem GMDSS Area 1 bis 3, Satellitentelefon und –fax, Radarantwortbake (SART) und Seenotfunkbake (EPIRB). Auch die Funkausrüstung entspricht dem Stand der Technik. Die Ausrüstung ist also den heutigen Erfordernissen angepasst worden.


Peildeck:
Auf dem Peildeck sind der Mast, der Magnetkompass und zwei nach vorne gehende Suchscheinwerfer montiert. Der Mast trägt die beiden Radargeräte, Navigationsbeleuchtung, Antennen und einen nach achtern reichenden Suchscheinwerfer.


Einsatz:

Die LUNA A fährt mit fünf Mann dänischer Besatzung unter dänischer Flagge. Sie wird von ihrem neuen Besitzer wieder als Hochseeschlepper eingesetzt. Eine der weitesten Reisen war im Jahr 2006 bis nach Kapstadt.


-   Abmessungen

Hauptabmessungen:
Länge ü.A.: 34,37m
Registrierte Länge: 30,50m
Breite auf Spanten: 09,30m
Breite ü.A.: 10,10m
Seitenhöhe zum Hauptdeck: 03,99m
Tiefgang: Rumpf/Dockstütze 3,60/5,50m
Vermessung: 358 BRZ
Hauptmaschinen: 2x Klöckner-Humboldt-Deutz SBA 8M 528
Leistung: 2x 853KW (2x 1.160PSe) bei 900U/min
Pfahlzug, Dauer/max.: 38/39t
Geschwindigkeit: 11,5kn

Quellen:
J.A. Rederiet
Germanischer Lloyd Register
Bugsier-, Reederei- und Bergungsgesellschaft mbH & Co. KG
Schottel GmbH
Jan Mordhorst - Schlepper (1988)
Reinhard H. Schnake - Geschichte der Schleppschifffahrt, Bd. 2 Bugsier



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Bugsier 8 in Bremerhaven Hermes in Cuxhaven
Hermes in Brunsbüttel Hermes im Nord-Ostsee-Kanal
Hermes im Nord-Ostsee-Kanal Achterdeck wie neu gebaut
Umgebautes Achterdeck Luna A in Brest
Luna A in Brest Luna A auslaufend Brest
Luna A auslaufend Brest Steuerbordansicht des Aufbaus
Ansicht vom Backbordbug Heckansicht des Aufbaus
Heckansicht des Aufbaus Aufgänge zu Vordeck und Brücke
Bugansicht des Aufbaus Mast
Brücke Back
Ankerwinde Blick von der Brücke auf das Achterdeck
Steuerpulte von Winde (links) u. Palfinger Kran Achterdeck
Schleppwinde Schlepphaken
Schleppbock Bootskran
Palfinger Kran Brücke, Bugsteuerpult
Brücke, Bugsteuerpult Brücke, Arbeitsplatz
Brücke, Kartentisch Brücke, hinterer Fahrstand
Maschinenraum mit Schaltanlage Maschinenraum mit zwei Generatoren
Steuerbord-Generator Hauptmaschine
Schottel Ruderpropeller Werkstatt
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