-   Die FAIRPLAY Schlepper

Die wirtschaftliche Liberalisierung der Europäischen Union brachte Anfang 1996 holländische Hafenschlepper nach Hamburg. Der folgende Hamburger "Schlepperkrieg" wurde durch deren Niedrigpreise ausgelöst. Sie wurden unter anderem durch 40%ige Lohnsubventionen der holländischen Regierung möglich. Der "Schlepperkrieg" wurde erst 2002 durch das Urteil der EU-Kommission beendet, dass die Subventionen illegal und zurückzuzahlen seien. Die "Fairplay Schleppdampfschiffs-Reederei Richard Borchard GmbH" in Hamburg hat die Liberalisierung schnell nicht nur als Bedrohung sondern auch als Chance gesehen. So gründete man 1997 in Rotterdam die "Fairplay Towage BV" und bestellte 1996 vier Schlepper mit einer Option auf zwei weitere in Spanien für den Einsatz in Rotterdam:

FAIRPLAY 21
FAIRPLAY 22
FAIRPLAY 23
FAIRPLAY 24

-   Projektabwicklung

Die vier Schlepper wurden von der Werft Construcciones Navales Santodomingo in Vigo nach einem Entwurf von Aarts Marine BV, Amsterdam, gebaut. Die Auslieferung der Schlepper sollte im Juni 1997 beginnen, verzögerte sich aber wegen finanzieller Schwierigkeiten der Bauwerft bis in den Februar 1998. FAIRPLAY 25 und 26 wurden wegen Insolvenz der Werft später bei Astilleros Zamakona gebaut. Insgesamt hat Fairplay 55 Mio DM (ca. 28,2 Mio. ) für die sechs neuen Schlepper investiert. Bis dato waren alle Fairplay Schottel-Schlepper Traktor-Schlepper mit dem Antrieb unter dem Bug. Um die neuen Schlepper auch für Seeverschleppungen, Escort-Schleppdienste, Terminaldienste und Offshorearbeiten einsetzen zu können, wurden die neuen Schlepper mit Schottel-Ruderpropellern unter dem Heck ausgerüstet. Die vier Schlepper werden von je zwei Deutz-MWM SBA 8M 628 Dieselmotoren mit 2.250 PSe (1.646 kW) bei 1.000 U/min angetrieben. Die Motoren wirken auf Schottel-Ruderpropeller SRP 1212 mit Festpropellern mit 2,30m Durchmesser in Kortdüsen. Die Schlepper sind mit einem Wulstbug und einem Schottel STT Bugstrahlruder mit 2,8t Schub ausgestattet. Die Schlepper haben eine maximale Geschwindigkeit von 13,5kn und einen Pfahlzug von 52t. Die Bunkerkapazität von ca. 220m3 verleiht den Schleppern einen Aktionsradius von ca. 18 Tagen. Die Schlepper sind für einen nachträglichen Einbau einer Feuerlöscheinrichtung nach FiFi1 Standard vorbereitet. Die im Jahr 2000 abgelieferten FAIRPLAY 25 und 26 unterscheiden sich von ihren Vorgängern hauptsächlich durch eine um 1.000 PSe höhere Maschinenleistung und 15t höheren Pfahlzug sowie eine Feuerlöscheinrichtung nach FiFi1 Standard.


-   Beschreibung
Hauptdeck, achtern:

Das Arbeits-/Schleppdeck wird seitlich durch Cargo Rails begrenzt, so dass zwischen ihnen und dem Schanzkleid eine Sicherheitszone entsteht. Am Übergang zum Aufbau ist die hydraulisch angetriebene Schleppwinde vom Typ Brattvaag SL50-1T aufgestellt. Die Winde hat eine geteilte Trommel, mit 1.400m x 46mm Stahldraht auf der Schlepptrommel und 110m x 46mm Stahldraht + 20m x 96mm Kunstfaserseil als Recker + 20m x 46mm Draht-Stander auf der Hafentrommel. Die Winde hat eine Zugkraftkontrolle, eine Zugkraft von 50t bei 16,5m/min und eine Bremskraft von 128t. Auf der Steuerbordseite ist eine Speicherwinde mit 1.400m x 46mm Reservedraht vorgesehen. Vor der Schleppwinde ist ein Schleppbock mit drei Pfosten eingebaut. Der mittlere Pfosten kann seitlich verschoben werden, um jeweils der Hafen- oder Schlepptrommel als Führung angepasst werden zu können. Für Notfälle ist ein Seebeck Schlepphaken mit 55t zulässiger Last (safe working load, swl.) vorhanden. Auf dem achteren Schanzkleid sind jeweils an Backbord und Steuerbord Schlepp-Pins vorgesehen.


Hauptdeck, vorne:

Hier sind drei 2-Mann Kabinen, zugehörige Sanitärräume, Galley, Messe und Lagerräume angeordnet.


Vordeck:

Es liegt oberhalb des Hauptdecks. Am Bug ist eine hydraulisch betriebene kombinierte Anker- und Schleppwinde vorgesehen. Da aber nur im Hafenbetrieb über den Bug geschleppt wird, hat die Winde nur die Hafentrommel erhalten. Diese hat die gleiche Spezifikation wie die Hafentrommel der Schleppwinde auf dem Schleppdeck. Das Deckshaus beherbergt die beiden Einzelkabinen von Kapitän und leitendem Ingenieur. Eine weitere Kabine ist im Generalplan als Krankenstation bezeichnet. An Backbord ist achtern das MOB-Boot mit seinem Palfinger Marine Kran installiert.


Brückendeck:

Diese Deck liegt ca. 1 m oberhalb der Decke des Deckshauses. Der so entstehende Zwischenraum wird vom Batterie- und vom Lüftungsraum eingenommen. Neben diesen Räumen ist an Backbord und Steuerbord je eine Rettungsinsel angeordnet. Im Steuerhaus ist zum Bug hin eine U-förmige Steuerkonsole eingebaut, die die kompletten Steuerelemente enthält. Steuerbord achtern ist eine weitere Steuerkonsole mit freiem Blick auf das Schleppdeck angeordnet. Sie enthält die Steuerelemente für Motoren, Ruderpropeller, Bugstrahlruder und Winden. Backbord achtern ist die Konsole mit der Kommunikationsausrüstung angeordnet. Die Sicherheitsausrüstung entspricht dem GMDSS A2 (Global Maritime Distress and Safety System Area 2)und enthält Global System for Mobile communications (GSM) Mobiltelefon, Inmersat-C Satellitentelefon und Fax. Zur elektronischen Ausrüstung gehören zwei Racal-Decca Radarsysteme, Autopilot, Echolot, elektronischer Seekarte, Satellitennavigation und Kreiselkompass.


Topdeck:

Das Deck ist zweigeteilt. Der eine Teil ist das Dach des Steuerhauses mit Suchscheinwerfern und Magnetkompass, der zweite Teil verbindet als Brücke die beiden seitlichen Abgaspfosten. Sie trägt den Mast und ein Radargerät. Hier können bei Bedarf Feuerlöschmonitore installiert werden.


Besatzung:

Im Hafen fahren die Schlepper mit einer Besatzung von drei Mann, im Offshore-Geschäft mit sechs Mann. Es gibt Unterbringungsmöglichkeiten für insgesamt acht Mann.


-   Einsätze

Die vier Schlepper wurden von Beginn an in Rotterdam eingesetzt. FAIRPLAY 21 und 24 wurden schon bald als Bare-Boat, das heißt ohne Besatzung, langfristig an Smit Harbour Towage verchartert und im Europoort als Assistenzschlepper eingesetzt. FAIRPLAY 22 und 23 sind ebenfalls im Europoort stationiert, werden aber auch im Offshoregeschäft und bei Seeverschleppungen beschäftigt. Mit dem Einchartern der FAIRPLAY 27 für Rotterdam ist die FAIRPLAY 22 im April 2006 nach Hamburg verlegt worden.


-   Hauptabmessungen und Leistungen

Klassifizierung Germanischer Lloyd: + 100 A5 E1 M Schlepper + MC E1 Aut
Länge ü.A.: 34,75 m
Länge zw. Loten: 32,50 m
Breite auf Spanten: 10,80 m
Tiefgang (min/max): 04,60 m/5,00 m
Seitenhöhe: 05,70 m
Vermessung: 496 grt
Tragfähigkeit: 310 tdw
Verdrängung: 650 t
Leistung: 2 x 1.646 kW (2 x 2.250 PSe)
Geschwindigkeit: 13,5 kn
Pfahlzug: 52 t

Quellen:
Reed's Tug World Review 1997/1998,
Website von Fairplay,
Lekko International 110



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Fairplay 23 Fairplay 23
Fairplay 23: in Cuxhaven Fairplay 23: in Aktion
Fairplay 24 Fairplay 24
Fairplay 24: ..einparken Fairplay 24: ..vom Job zurück
Fairplay 24 Fairplay 24
Fairplay 24: Bugansicht Fairplay 24: Heckansicht
Fairplay 21 und 24 Fairplay 24
Fairplay 21 und 24: Heckansicht im Scheurhaven Fairplay 24: Bug
Fairplay 24 Fairplay 24
Fairplay 24: Backbord-Ansicht Aufbau Fairplay 24: Backbord-Ansicht Steuerhaus
Fairplay 21 und 24 Fairplay 21
Fairplay 21 und 24: Steuerhäuser Fairplay 21: Bugansicht Steuerhaus
Fairplay 24 Fairplay 24
Fairplay 24: Bugansicht Steuerhaus Fairplay 24: Aufgang zum Steuerhaus mit Rettungsinsel
Fairplay 23 Fairplay 23
Fairplay 23: Aufbau von achtern mit Winde Fairplay 23: Heckansicht Steuerhaus und Mast
Fairplay 23 Fairplay 24
Fairplay 23: Heckansicht Brücke mit Mastes Fairplay 24: Bugansicht des Mastes
Fairplay 23 Fairplay 24
Fairplay 23: Heckansicht Steuerhaus Fairplay 24: Mob-Boot mit Davit
Fairplay 23 Fairplay 23
Fairplay 23: Schleppdeck mit Pins Fairplay 23: Schleppdeck mit Winden
Fairplay 23 Fairplay 24
Fairplay 23: Schleppwinde mit Bock Fairplay 24: leere Speicherwinde
Fairplay 24 Fairplay 21 und 24
Fairplay 24: Bugschleppwinde Fairplay 21 und 24: ..im Scheurhaven
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