-   Fairmount Summit

Die Reederei Fairmount Marine BV hat ihre Ursprünge in einer 1978 erhaltenen Generalagentur für Übersee der japanischen Firma Fukada Salvage & Marine Works Company Ltd. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre mit Umwegen - z.B. Verkauf der inzwischen im Besitz befindlichen Seeschlepper und Halbtaucher-Barges im Jahr 1989 an britische Interessen - einer der bedeutendsten Anbieter für Hochseeverschleppungen und Seeschwerlasttransporte. In den 1990iger Jahren wurden die Aufträge mit gecharterten Fahrzeugen überwiegend asiatischer Herkunft durchgeführt. So wurden 1995 die chinesischen Schlepper DE YUE, DE DA, DE HONG und HUA AN in Langzeitcharter genommen. Anfang des neuen Jahrtausend reifte die Überzeugung, dass langfristig ein Markt für neue Hochseeschlepper mit hohem Pfahlzug vorhanden sein werde. Im Jahr 2002 wurde zusammen mit Münchmeyer Petersen Capital (MPC) aus Groningen, einer Investmentgesellschaft, das Neubauprogramm für die Schlepper entwickelt. Daraus entstand dann bis 2007:

die FAIRMOUNT Klasse

-   Projektphase

Alle Schlepper der Fairmount-Klasse wurden von jeweils einem eigenen Schiffsfond in Form einer Kommanditgesellschaft unter Management von MPC Capital finanziert. Sie sind für 10 Jahre an Fairmount Marine BV verchartert mit einer Kaufoption nach fünf Jahren zu einem bereits jetzt einvernehmlich festgelegten Kaufpreis. Die ersten beiden Schlepper wurden im Jahr 2003 bei President Marine in Singapore bestellt. Die Auftragsvergabe an diese Werft lag nahe, da sie bereits die beiden Schlepper SALVISCOUNT und SALVANGUARD für Semco baute, von deren Entwurf die Fairmount-Klasse abgeleitet ist. Der Entwurf wurde von Vuyk Kenton in Singapore ausgeführt. Dabei wurde das Design aus dem Rumpf eines AHTS entwickelt und dabei für das Schleppen schwerer Objekte optimiert. Als President Marine Ende 2003 Insolvenz anmeldete, musste sich Fairmount Marine BV eine neue Bauwerft suchen. Sie wurde Anfang 2004 in Niigata Shipbuilding & Repair in Japan gefunden und es wurden Verträge für zwei Schlepper geschlossen. Im Laufe des Jahres 2004 wurde die Anzahl der Bestellungen auf fünf erhöht. Die Kiellegung von FAIRMOUNT SHERPA und FAIRMOUNT SUMMIT fand im August 2004 auf der Werft in Niigata, Japan, statt. Die Schlepper wurden in der Reihenfolge FAIRMOUNT SHERPA (Ablieferung Mai 2005), FAIRMOUNT SUMMIT (Oktober 2005), FAIRMOUNT ALPINE (Mai 2006) , FAIRMOUNT GLACIER (Juli 2006) und FAIRMOUNT EXHIBITION (Mai 2007) abgeliefert.


-   Beschreibung

Allgemein:Die Schlepper der Fairmount-Klasse sind konventionelle Hochseeschlepper mit offenem Heck und damit der Fähigkeit, schwere Offshoreanker zu bewegen. Sie haben jeweils zwei Propeller in feststehenden Kortdüsen. Hinter jeder Düse ist ein konventionelles Ruder eingebaut. Der Rumpf ist mit einem Spantabstand von 600mm aufgebaut. Er ist in sieben wasserdichte Abteilungen aufgeteilt: Vorpiek, Bugstrahlruderraum, Kühlanlagenraum, Maschinenraum, achtere Treibstofftanks, Steueranlagenraum und Achterpiek. Angetrieben werden die Schlepper von je vier Wärtsilä Dieselmotoren vom Typ W 6L 32. Die Motoren haben eine Leistung von 4x 3.000kW (4x 4.080PSe) bei 750U/min. Die Maschinen werden mit Intermediate Fuel Oil (IFO) betrieben. In diesem Fall ist es IFO180. Es wird aus Schweröl und Diesel gemischt, um die geforderte Viskosität zu erreichen. Es wirken jeweils zwei Motoren paarweise über ein Wärtsilä-Getriebe mit einer Reduktion von 4,84:1 auf eine Schraubenwelle und einen Wärtsilä-Lips Verstellpropeller mit 3,85 m Durchmesser in Lips HR-Hochleistungsdüsen. Die Schlepper erreichen eine maximale Geschwindigkeit von 16,5kn. Der maximale Dauerpfahlzug betrug 200t und bei 110% Maschinenleistung wurden 205t gemessen. Die Bunkerkapazität beträgt: 539m3 Diesel, 2.201m3 Intermediate Fuel Oil (IFO180) und 216m3 Trinkwasser. Unter Schleppbedingungen reicht das für eine Seedauer von ca. 40 Tagen. Die Schlepper haben ein Bugstrahlruder mit Verstellpropellern mit einem Schub von 12,5t bei 825kW Leistung und ein Heckstrahlruder mit Verstellpropellern mit einem Schub von 10,5t bei 736kW Leistung. Beide stammen von Nakashima Propeller Co. Ltd, Japan. Die Schlepper sind mit einer Feuerlöschanlage nach FiFi1 Standard ausgerüstet. Zwei Kumera-Feuerlöschpumpen sind an den vorderen Kopf von zwei Hauptmaschinen gekuppelt. Sie leisten je 1.200m3/Std und versorgen die Löschanlage der Firma Fire Fighting Systems (FFS) bestehend u.A. aus zwei Löschmonitoren und einer Selbstschutzanlage. Zwei Wellengeneratoren werden über einen zweiten Abgang von den Wellengetrieben angetrieben. Zusätzlich gibt es zwei Caterpillar Generatorsets mit je 367kVA Leistung und ein Caterpillar Notstromaggregat mit 99kVA.


Tanktop Deck:

Hier sind u.A. die Hauptmaschinen mit zugehöriger Technik, die Generatorsets, die Abwasserreinigungsanlage und die zwei Querstromruder auf dem Tank-Doppelboden untergebracht. Angrenzend an das Schott der Abwasserreinigungsanlage ist der Steuerraum der Maschinenanlage angebaut.


Zwischendeck:

Hinter dem Bugstrahlruderraum befindet sich der Kühlanlagenraum. Außerdem sind verschiedene Tanks und zwei Kettenkästen für die Offshore-Ankerketten vorhanden. Am achteren Ende befindet sich je Schiffsseite ein Notausstieg und an Steuerbord der Gang zum Steueranlagen- und Heckstrahlruderraum.


Hauptdeck:

Auf dem Hauptdeck sind hinter der Vorpiek auf der Backbordseite die Besatzungsmesse, Offiziersmesse und ein Freizeitraum untergebracht. Daran schließen sich an der Bordwand neben dem Windenraum der Klimaanlagenraum, die Bergungslast mit Werkstatt und die Farbenlast an. Auf der Steuerbordseite befinden sich von Bug in Richtung achtern die Kombüse, Lebensmittellager, Kühl- und Gefrierräume sowie eine Wäscherei. Neben dem Windenraum liegen eine Gemeinschaftssanitäranlage, ein Umkleideraum, der CO2-Raum und eine Deckslast. Die elektro-hydraulische Schleppwinde ist vom Typ Wasserfall mit unten zwei Schlepptrommeln mit je 1.500m x 76mm Schleppdraht und oben einer Trommel für Ankerarbeiten. Die obere Trommel hat die gleiche Kapazität, ist aber nur mit 300m x 76mm Arbeitsdraht belegt, um möglichst die maximalen Kräfte der Winde (in der untersten Lage) nutzen zu können. Die Winde hat auf beiden Seiten je eine Kettennuss für Ketten bis 90mm Durchmesser. Die Trommeln sind auskuppelbar, die Nüsse nicht. Die Winde stammt von Kitagawa Kogyo und hat eine Haltekraft von 400t und eine Zugkraft von 250t. Die Rückwand des Windenraums nutzt das Schlepp-Kruzifix als Befestigung für die Blechverkleidung. Das mit Holz belegte Achterdeck hat eine freie Fläche von 384m2 und ist von verkleideten Laderelings auf beiden Seiten begrenzt. Vor dem Windenraum ist an Back- und Steuerbord jeweils eine Beistopperwinde mit 10t Zugkraft angeordnet. Sie stammen ebenso wie die beiden Spillköpfe am Heck vom Windenlieferanten. Vor der Heckrolle (5,40m x 2,30m Durchmesser) sind zwei vertikale, hydraulische betätigte Schlepppins (zul. Last 200t) und eine ebenfalls hydraulisch betätigte Shark Jaw (zul. Last 300t) eingebaut. Sie stammen von Plimsoll, Singapore, und sind nach einer Lizenz der Firma Smith-Berger, Norwegen, gefertigt.


Unteres Backdeck:

Das Deck ist vollkommen vom Rumpf umschlossen. Nur neben dem Windenraum befindet sich jeweils an Backbord und Steuerbord ein schmaler, teilweise überdeckter Decksstreifen, auf dem jeweils drei Rettungsinseln für 2x 20 und 1x 16 Personen montiert sind. An Steuerbord sind hier zwei Ersatzpropellerblätter montiert. Hinter dem im Bug angeordneten Kabelgatt befinden sich die Mannschaftswohnräume. Fünf der sechs hier angeordneten 4-Bett Kabinen sind außen angeordnet, eine weitere ebenso wie die Gemeinschaftssanitäranlage in Schiffsmitte. Diese Kabinen haben je zwei Stockwerksbetten, eine Sitzbank, einen Schreibtisch und vier Umkleideschränke. An Steuerbord ist ein kleines Hospital mit einem Bett und eigenem Sanitärbereich vorhanden.


Oberes Backdeck:

Im Aufbau befinden sich vorne von Backbord nach Steuerbord eine Einzelkabine und zwei Doppelkabinen mit Stockwerksbetten. Hinter einem quer verlaufenden Gang befindet sich an Backbord eine weitere Zweibettkabine und an Steuerbord ein Büro- und Konferenzraum. Hinter diesen beiden befinden sich an der Rückwand ein Lagerraum und der Notstromdieselraum. Auf der Back ist eine Ankerwinde mit zwei Kettennüssen und zwei Spillköpfen sowie den beiden Kettenstoppern von Kitagawa Kogyo aufgestellt. Es ist ein Smit-Brackett zur schnellen Befestigung einer Schleppverbindung montiert. Hinter dem Aufbau sind an der Hinterkante des Decks an Steuerbord und Backbord jeweils ein hydraulischer Schwenkkran der Firma Plimsoll montiert. Der Backbordkran hat eine zulässige Last von 8t bei 7m Ausladung und 1,5t bei 9m Ausladung, um das MOB Boot bedienen zu können. Der Steuerbordkran hat eine zulässige Last von 8t bei 7m Ausladung und bedient das Arbeitsboot. Beide Boote sind Festrumpf-Schlauchboote. Zwischen den Kranen sind eine große Speicherwinde für 1.500m x 76mm Reserveschleppdraht und zwei kleinere Speicherwinden für Drahtvorläufer angeordnet. Auch sie stammen von Kitagawa Kogyo.


Wohndeck:

An der Vorderfront des Aufbaus sind die Einzelkabinen für Kapitän und Chefingenieur angeordnet. Sie bestehen aus Tageskabine, Schlafraum und Sanitärbereich. Hinter einem Gang liegen zwei weitere Einzelkabinen mit zugehörigem Sanitärbereich. In der Mitte ist ein Elektroverteilerraum angeordnet.


Brückendeck:

Um die Brücke herum ist ein Gitterrost-Umlauf angeordnet. An der Vorderwand ist die Hauptsteuerkonsole eingebaut. Sie hat neben dem traditionellen Steuerrad auch einen Joystick, über den mittels Lipstronic Steuerelektronik von Lips-Wärtsilä Hauptmaschinen, Querstrahlruder und Ruder gemeinsam gesteuert werden können. An der Rückwand ist ein weiterer Fahrstand mit Blick auf das Achterdeck angeordnet, von dem neben den Winden auch das Schiff gesteuert werden kann. An der Backbordseite ist eine Radiostation und an der Steuerbordseite ein Kartentisch vorhanden. In der Mitte des Raumes sind neben dem Treppenaufgang ein Arbeitstisch und eine Kommunikationsstation angeordnet. Zusätzlich sind Sitzbänke und eine Teeküche vorhanden. Ein großer Teil der elektronischen Brückenausstattung wurde von Furuno geliefert. Ausnahmen sind u.A. der Kreiselkompass und der Autopilot, die von Tokimec stammen. Die Ausrüstung beinhaltet unter anderem zwei Radargeräte, DGPS Navigationsdatenrecorder, AIS und Kommunikationseinrichtungen nach GMDSS Area 3 Standard mit MF-, HF Radio und Inmarsat C und F.


Peildeck:

Hier sind der Magnetkompass, vier fernbediente Suchscheinwerfer und die Satellitenkommunikationantenne aufgestellt.


Monitorplattform:

Sie überbrückt das Peildeck und verbindet die beiden Abgaspfosten. Sie trägt den Mast und die beiden ferngesteuerten FFS-Feuerlöschmonitore.


Besatzung:

Die Schlepper der Fairmount Klasse fahren mit einer regulären Crew von 12 Personen. Insgesamt sind Unterkünfte für 36 Personen vorhanden, um je nach Aufgabenstellung zusätzliches Personal an Bord nehmen zu können. Die Aufbauten sind voll klimatisiert.


-   Einsätze

Einsätze: Die Schlepper der Fairmount Klasse sind seit ihrer Indienststellung für Verschleppungen großer Objekte eingesetzt worden. Dabei werden auch die erforderlichen Ankerarbeiten ausgeführt. Nachfolgend eine Auswahl der geschleppten Objekte:

    FPSO DALIA (l x b = 300 x 60m, 334.000tdw) von Korea nach Angola, Westafrika
    FPSO GREATER PLUTONIO (l x b 0 319 x 58m, 360.000tdw) von Korea nach Luanda, Angola
    50.000tdw Halbtaucher-Barge GAVEA LIFTER mit zwei Bohrhubinseln von Dubai zum Golf von Mexico
    50.000tdw Halbtaucher-Barge GAVEA LIFTER mit einer Bohrhubinsel von Dubai an die Ostküste Indiens
    19.300t Halbtaucher-Barge FAIRMOUNT FJELL mit 11.000t Deckteil für AMP II von Malysia nach Nigeria
    Halbtaucher-Bohrplattform FRONTIER DRILLER von Schottland an den Golf von Mexico
    Kranschiff H-1000 von Ningbo, Ostchina nach Mumbai (Bombay), westindische Küste
    Hubbohrinsel SEADRILL 6 von Singapore zur Insel Sakhalin (Russland), bis Japan auf 24.000tdw Halbtaucher-Barge OCEAN SEAL, dann frei schwimmend. Später zurück nach Japan.
    24.000tdw Halbtaucher-Barge OCEAN ORC mit Ladung von Japan nach El Salvador.
    Einschleppen des mit 175.000t Kohle beladenen Massengutfrachters Voutakos (l xb x td = 291,4 x 48 x 18m) nach Maschinenausfall vom Eingang des Ärmelkanals nach Rotterdam

-   Hauptabmessungen und Leistungen

Länge ü.A.: 75,05m
Länge zw. Loten: 66,60m
Breite: 18,00m
Minimaler Tiefgang: 05,80m
Maximaler Tiefgang: 06,80m
Seitenhöhe auf Spant: 08,00m
Hauptmaschine: 4x Wärtsilä W 6L 32
Leistung Hauptmaschine: 4x 3.000 kW (4x 4.080 PSe) bei 750U/min
Dauer-Pfahlzug: 200t
maximaler Pfahlzug: 205t
max. Geschwindigkeit: 16,5kn
Vermessung: 3.239BRZ
Zuladung: ca. 3.568tdw

Quellen: Fairmount Marine BV,
International Tug & Salvage (The Tugworld Review 2004 - 2005),
Lekko International Nr. 155 (Fairmount's Big Tugs),
Marinelog.com 2.Juni 2004,
Wärtsilä power for deap sea tugs



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Fairmount Fairmount
Fairmount Sherpa Fairmount Sherpa vor Kapstadt
Fairmount Fairmount
Backbord-Ansicht Fairmount Glacier mit Voutakos
Fairmount Fairmount
Bugansicht Aufbau Steuerbord vorn
Fairmount Fairmount
Mast Abgasrohre
Fairmount Fairmount
Steuerbord-Seite Aufbau Ausrüstung Peildeck
Fairmount Fairmount
Heckansicht Brücke von achtern
Fairmount Fairmount
Aufbau von achtern Mast von achtern
Fairmount Fairmount
Backbord-Seite Aufbau Achterdeck
Fairmount Fairmount
Ladereling Achterdeck
Fairmount Fairmount
Schleppwinde Tuggerwinsch
Fairmount Fairmount
Schleppkruzifix Smith-Berger-Sharks
Fairmount Fairmount
Speicherwinde Kran mit Arbeitsboot
Fairmount Fairmount
Backbord Kran Notstromgenerator
Fairmount Fairmount
Rettungsinseln Ersatzblätter für Propeller
Fairmount Fairmount
Back Ankerwinde
Fairmount Fairmount
Maschinenraum Backbord-Hauptmaschinen
Fairmount Fairmount
Antrieb Bugstrahlruder Hauptmaschine
Fairmount Fairmount
Maschinenfahrstand Steuerbord-Hauptmaschinen
Fairmount Fairmount
Fahrstand achtern Brücke
Fairmount Fairmount
Generator Bugfahrstand
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