-   Esvagt Connector

Die Reederei Esvagt A/S wurde 1981 im dänischen Esbjerg von örtlichen Investoren gegründet. Ziel war es, der Offshore Industrie Serviceleistungen anzubieten. Inzwischen gehören 75% von Esvagt A/S der Svitzer Gruppe, einer 100% Tochter der AP MØller-Maersk Gruppe. Im Jahr 1982 begann man mit zwei umgebauten Fischtrawlern Stand-by Service in der Nordsee anzubieten. In den folgenden Jahren wurden weitere gebrauchte, umgebaute Fischtrawler in Dienst gestellt. Es folgten zwei gebrauchte AHTS. 1999 erhielt Esvagt A/S mit der ESVAGT OBSERVER den ersten Neubau überhaupt. Insgesamt wurde eine Serie von vier fast baugleichen Schiffen für Esvagt A/S und Maersk Supply Service abgeliefert:

ESVAGT OBSERVER
ESVAGT CONNECTOR
MAERSK DON
MAERSK DEE

-   Geschichte


In der Folge der Brandkatastrophe der Produktionsplattform PIPER ALPHA am 6.07.1988 mit 167 Todesopfern und nur 57 Überlebenden wurden in Großbritannien die Anforderungen an Stand-by Schiffe erhöht. Damit waren die älteren umgebauten Fischtrawler nicht mehr uneingeschränkt einsetzbar. Bei Vergrößerungen der Stand-by Flotte waren daher Neubauten angeraten. Die Planung wurde von OSK-ShipTech A/S, damals noch Ole Steen Knudsen A/S in Zusammenarbeit mit den Reedereien durchgeführt. Gebaut wurden die vier Schiffe von Baltija Shipbuiling Yard in Klaipeda, Littauen, einer Tochter von Odense Steel Shipyard Ltd. ESVAGT OBSERVER wurde in 1999 abgeliefert, die übrigen drei Schiffe in 2001. Im Laufe der Jahre blieb nur die ESVAGT CONNECTOR von größeren Umbauten verschont. Bei den drei anderen Schiffen wurde eines oder mehrere schnelle Rettungsboote (FRC; Fast Rescue Craft) durch schnelle Tochterboote (FRDC; Fast Rescue Daughter Craft) ersetzt. Die Tochterboote haben feste, geschlossene Aufbauten, während die Rettungsboote offen sind. So können die Tochterboote auch bei regulären Offshore Arbeiten im Rahmen festgelegter Wetterbedingungen eingesetzt werden. Sie stammen von Maritime Partner AS und sind vom Typ MP-1111. Die MAERSK DON und MAERSK DEE wurden 2006 an Esvagt übertragen. Die MAERSK DON wurde in ESVAGT DON umbenannt, die MAERSK DEE fährt erst seit 27.05.2009 auch im Management von Esvagt und wurde in ESVAGT DEE umbenannt. Sie fährt derzeit allerdings noch in Maersk-blau. Im Folgenden wird die ESVAGT CONNECTOR beschrieben. Alle nicht mit Schiffsnamen gekennzeichneten Fotos stammen von ihr.


-   Beschreibung


Allgemein: Esvagt bezeichnet die vier Schiffe als Mehrzweck-AHTS. Dabei können sie die Rolle als Vorsorger (Supply Vessel) nur unvollständig ausüben, da sie keine Silos für Schüttgut besitzen. Stattdessen sind sie mit Tanks für aus dem Meer zurückgewonnenes Öl ausgestattet und als ERRV (Emergency Response Rescue Vessel, Notfallschutz und Rettungsschiff) für bis zu 300 Gerettete zugelassen. Die vier Schiffe sind konventionelle Hochseeschlepper /AHT mit zwei Propellern in feststehenden Kortdüsen. Hinter jeder Düse ist ein Becker Flossenruder eingebaut. Der Rumpf hat einen Spantabstand von 600mm und ist gemäß Lloyd Registers Eisklasse 1D verstärkt. Das entspricht Eisklasse E des Germanischen Lloyd und reicht aus für Drifteis in Flussmündungen und in Küstennähe. Angetrieben werden die Schlepper von je zwei MaK Dieselmotoren vom Typ MaK 8M25. Die Motoren haben eine maximale kontinuierliche Leistung (100% MCR) von 2x 2.400kW (2x 3.264PSe) bei 750U/min und treiben MAN B&W Alpha Diesel Verstellpropeller des Typs VB 860 an. Die Propeller haben einen Durchmesser von 3,15m bei 860mm Nabendurchmesser von. Die Schlepper erreichen eine Geschwindigkeit von 14kn bei 85% MCR. Die Schlepper haben je ein Bug- und Heckstrahlruder der Firma KaMeWa (inzwischen Rolls Royce) des Typs 1300K/BMS-cp mit Verstellpropellern und je 441kW Leistung. Zusätzlich ist am Bug ein einziehbarer Ruderpropeller der Firma KaMeWa des Typs UL 1201 CP mit Verstellpropeller in einer Kortdüse mit einer Leistung von 736KW eingebaut. Der maximale Pfahlzug betrug bei 100% MCR 91t und bei zusätzlichem Einsatz des einziehbaren Ruderpropellers 102t. Die Werte variieren geringfügig von Schiff zu Schiff. Die Bunkerkapazität beträgt: 543m3 Treibstoff, 243m3 Trinkwasser, 1.042m3 Ballast- und Bohrwasser sowie 512m3 zurückgewonnenes Öl. Die Schiffe sind mit drei Stamford HCM 734F2 Generatorsets mit je 872KW Leistung und einem Notfallgenerator von 217KW ausgerüstet.


Doppelbodentankdecke:

Hier sind vom Bug nach achtern u.a. untergebracht: Bugstrahlruderraum, dann eine Werkstatt jeweils seitlich durch Tanks begrenzt, Raum mit den drei Generatorsets mit Seitentanks an der Außenhaut, Maschinenraum mit den Hauptmaschinen. Zwischen den Maschinen befinden sich auf ca. halber Länge weitere einzelne Technikräume. Neben dem Maschinenraum befinden sich ebenfalls Seitentanks an der Außenhaut. Dahinter liegen Tanks, in die der Heckstrahlruderraum eingebettet ist.


Zwischendeck:

Im Bug befindet sich der Bugstrahlruderraum eingepasst in Tanks. Dahinter liegen oberhalb der Werkstatt, aber über die volle Breite gehend Aufenthaltsräume mit Sanitäranlagen für Gerettete. Anschließend, oberhalb der Generatoren liegen an der Steuerbordseite der Maschinenkontrollraum, an Backbord eine Hydraulikeinheit, ein Kessel und der Abgasschacht für alle Maschinen. Oberhalb der Hauptmotoren ist eine Aussparung im Deck. Auf 3,60m Länge schließt sich über die volle Breite ein Wasserballasttank an. Dahinter liegen weitere Tanks mit einem Mittelgang, der vom darunter liegenden Maschinenraum zugänglich ist. Der Gang führt nach achtern zum Antriebsraum für die Shark Jaws und Schlepppfosten sowie die Rudermaschinenräume. Der eine Ebene tiefer liegende Heckstrahlruderraum wird ebenfalls über diesen Gang erreicht.


Hauptdeck:

Das Deck teilt sich in das offene Arbeits-/Achterdeck und den Aufbaubereich. Auf dem Achterdeck steht die hydraulisch angetriebene KaMeWa Wasserfallschleppwinde mit zwei Trommeln vom Typ TAW 1500 H. Dabei liegt die vordere Trommel niedriger als die hintere. Sie hat eine Haltekraft von 250t und eine Zugkraft von 156t. Die Winde hat auf der Steuerbordseite eine Kettennuss, die es ermöglicht, die Ketten von Rig-Ankern zu bewegen. Hinter der Winde steht das Kruzifix, das auch das darüber liegende Deck trägt. Zwischen Winde und Kruzifix steht die separate Aufspulvorrichtung. Eine KaMeWa RAUMA MW 300 H Beistopperwinde mit 10t Zugkraft und 30t Haltekraft ist an Backbord neben der Aufspulvorrichtung montiert. Der Arbeitsbereich des Achterdecks hinter dem Kruzifix von ca. 280m2 ist für eine Belastung von 5t/m2 ausgelegt und wird seitlich von jeweils einer Ladereling begrenzt. In deren Schutz sind am Heck jeweils an Backbord und Steuerbord ein Spill von KaMeWa RAUMA Typ CA50H mit 5t Zugkraft montiert. Der überwiegende Teil des Arbeitsdecks ist mit Holzbohlen belegt. Zwischen Ladereling und Schanzkleid ist die übliche Decksausrüstung (Poller etc.) untergebracht. Für Ankerarbeiten ist eine ca. 2,80m breite Heckrolle mit ca. 1,50m Durchmesser eingebaut. Davor sind ist eine Triplex Shark Jaw und zwei Triplex Pfosten mit 200t SWL Belastbarkeit montiert. In den Fotos ist die ESVAGT CONNECTOR am Heck mit einem A-Bock für den Einsatz eines ferngesteuerten Unterwasserroboters (ROV) ausgerüstet. Die Winde steht in einer Art Garage. An Steuerbord befinden sich seitlich ein Lagerraum, der CO2 Raum und der Notstromgeneratorraum. An Backbord ist neben der Winde ein Müllraum untergebracht. Die Windengarage ist nach oben durch ein Deck abgedeckt. Davor liegen an Steuerbord 2 Crew-Einzel- und vier Gäste-Doppelkabinen mit jeweils eigenen Sanitärzellen. An Backbord liegen ein Behandlungsraum, ein Umkleideraum und ein großer Raum für Gerettete. Direkt vor der Winde liegt in Schiffsmitte die Rezeption gefolgt einem Treppenhaus und einer Wäscherei.


Deck A:

Im Aufbaubereich sind hinter Lagerräumen in der Bugspitze sechs Crew-Einzelkabinen und ein Umkleideraum an Steuerbord, Messen, Kombüse und Lebensmittellager an Backbord angeordnet. In der Mitte sind von hinten nach vorne die Klimaanlage, ein Treppenhaus und zwei Doppelbett-Gästeräume vorgesehen. Alle Wohnräume sind mit eigenen Sanitärzellen ausgestattet. Am hinteren Ende des Decks ist an Backbord ein schnelles Rettungsboot (FRC) mit speziellem Davit montiert. Ein zweites Boot mit gleichem Davit ist auf einem an Steuerbord achtern an das Deck angehängten Podest installiert, da der Bereich davor von einem 6m langen Dacon Scoop, einem mit Kran aussetzbarem, halbstarrem Rettungsnetz belegt ist. Das dritte nach den britischen Richtlinien erforderliche Boot ist auf der Abdeckung oberhalb der Schleppwinde montiert. Es wird mit dem hydraulischen Knickarmkran ausgesetzt, der am hinteren Ende des Decks auf der Steuerbordseite steht. Dabei handelt es sich um einen Heila Kran des Typs HLRM 80-3S mit einer SWL von ca. 5,3t bei der maximalen Ausladung von 12,04m. Zwischen drittem Boot und Aufbau ist eine Speicherwinde vom Typ KaMeWa Rauma SU100H mit 10t Zugkraft und 20t Bremskraft montiert. Ein Rettungskorb wird neben der Winde gelagert.


Vordeck:

Die Einzelkabinen mit separatem Schlafraum von Kapitän und Chefingenieur nehmen die Vorderfront des Aufbaus ein. Dahinter liegen an den Seiten jeweils zwei weitere Offizierskabinen. Dahinter folgen von Backbord nach Steuerbord der Abgasschacht, ein Treppenhaus und eine Crew Einzelkabine. Alle Kabinen haben eigene Sanitärzellen. Am hinteren Ende des Aufbaus liegen das Schiffsbüro und ein Salon. Auf der Back ist eine kombinierte Anker- und Schleppwinde montiert. Sie hat zwei Kettennüsse, zwei Spillköpfe und eine geteilte Schlepptrommel. Letztere hat eine Zugkraft von 30t und eine Haltekraft von 130t. Sie stammt ebenfalls von KaMeWa RAUMA. Auf beiden Seiten des Aufbaus sind je zwei Rettungsinseln montiert.


Brückendeck:

An Backbord ist vorne auf dem Deck ein Leinenschussgerät montiert. Das Steuerhaus ist um ca. 3,5m von der Vorderkante des Decks zurückgesetzt. Die Vorderfront ist nur ca. 5,20m breit und wird komplett von der Hauptsteuerkonsole eingenommen. Danach verbreitert sich die Brücke auf fast die gesamte Schiffsbreite, so dass sich geschlossene Brückennocks ergeben. An Backbord befindet sich der Abgasschacht, an Steuerbord ein Tisch mit Stühlen und ein Sofa. In der Mitte befinden sich der Treppenzugang und eine Konsole mit Kartentisch und Kommunikationseinrichtungen. Im Bereich des hinteren Fahrstandes ist die Brücke wieder so schmal wie vorne. Der hintere Fahrstand besteht aus drei längs aufgestellten Konsolen mit zwei dazwischen angeordneten Stühlen. Die Navigations- und Kommunikationsausrüstung ist auf dem neuesten Stand der Technik. Zusätzlich ist ein dynamisches Positionierungssystem der Firma Kongsberg installiert.


Peildeck:

Hier sind der Magnetkompass und vier fernbediente Suchscheinwerfer der Firma Seematz aufgestellt. Dazu kommen der Mast mit Navigationsbeleuchtung und Antennen sowie separat montierte Antennen einschließlich zwei Radarantennen. Der Mast und die beiden Radarantennenstützen können umgelegt werden, um die Höhe über Wasser zu begrenzen.


Besatzung:

Die Schiffe haben Unterbringungsmöglichkeiten für eine Crew von 15 Personen in Einzelzimmern und 12 Passagiere in Doppelzimmern. Als ERRV der Gruppe B darf die ESVAGT CONNECTOR alleine an Offshore-Installationen mit bis zu 300 Personen Besatzung arbeiten. Die minimale Besatzungsgröße ist in den ERRV Richtlinien auf 12 Personen festgelegt. Die Aufbauten sind voll klimatisiert.


-   Hauptabmessungen und Leistungen

Länge ü.A.: 56,54m (incl. Fender)
Länge zw. Loten: 49,00m
Breite auf Spant: 14,60m
Entwurfstiefgang: 05,25m
Maximaler Tiefgang: 06,00m
Seitenhöhe auf Spant: 07,00m
Hauptmaschine: 2x MaK 8M25
Leistung Hauptmaschine: 2x 2.400kW (2x 3.264PSe) bei 750U/min
Pfahlzug bei 100% MCR: 91t (102t incl. Bugruderpropeller)
Geschwindigkeit bei 85% MCR: 14kn
Vermessung: 1.890BRZ
Zuladung bei Entwurfstiefgang: 1081t
Zuladung bei max. Tiefgang: 1617t

Quellen:
Esvagt A/S,
Baltija Shipbuilding Yard,
Odense Steel Shipyard Group
Ole Steen Knudsen A/S
Ships and Oil



Für Vergrößerungen der Bilder bitte auf die Miniaturen klicken!
- -
Esvagt Connector Esvagt Connector
Esvagt Connector Esvagt Observer
Esvagt Connector Esvagt Connector
Esvagt Don Maersk Dee
Esvagt Connector Esvagt Connector
Steuerbordansicht Bugansicht
Esvagt Connector Esvagt Connector
Heckansicht Achterdeck
Esvagt Connector Esvagt Connector
Heckansicht des Aufbaus Bugansicht des Aufbaus
Esvagt Connector Esvagt Connector
Backbordansicht des Aufbaus Steuerbordansicht des Aufbaus
Esvagt Connector Esvagt Connector
Peildeck mit Mast Umlegbarer Radarmast
Esvagt Connector Esvagt Connector
Kran und Steuerbord FRC Backbord FRC mit Speicherwinde und Bootsauflage für FRC 3
Esvagt Connector Esvagt Connector
Kombinierte Anker- und Schleppwinde Kombinierte Anker- und Schleppwinde
Esvagt Connector Esvagt Connector
Speicherwinde von oben Schussgerät für Rettungsleine
Esvagt Connector Esvagt Connector
Kruzifix Antriebsseite der Schleppwinde an Bb
Esvagt Connector Esvagt Connector
Kettennuss für Rig-Ketten an Stb Beistopperwinde
Esvagt Connector Esvagt Connector
Achterdeck für Auftrag ausgerüstet Unterwasserausrüstung
Esvagt Connector Esvagt Connector
Spill am Heck an Stb FRC 3 an ungewohntem Ort
Esvagt Connector Esvagt Connector
Vorderer Steuerstand Kommunikations- und Navigationsbereich
Esvagt Connector Esvagt Connector
Hinterer Steuerstand, Stb Teil Hinterer Steuerstand, Bb Teil
Esvagt Connector Esvagt Connector
Maschinenkontrollraum Hauptmaschine
Esvagt Connector Esvagt Connector
Hauptmaschine Dieselgenerator
- -