-   Die Elbe

Im Jahr 2000 bekam die URAG Schleppreederei Zuwachs für ihre Schlepperflotte. Die neuen Schlepper Jade und Weser wurden mit Heckrolle ausgestattet um auch für den Offshoreeinsatz gerüstet zu sein. Nun hat die URAG nachgelegt und zwei weitere "Großschlepper" gekauft. Wie die Vorgänger sind die Neuzugänge für die Hafenassistenz, Hochseeverschleppungen, Offshoreservice und Bergungsoperationen ausgerüstet und in Bremerhaven stationiert. Die neuen Schlepper heißen:

ELBE und EMS

-   Projektabwicklung

Elbe und Ems entstanden auf der Werft Astilleros Zamakona in Spanien. Die Schlepper sind mit Voith-Schneider-Antrieb (VSP) ausgestattet und entwickeln einen Pfahlzug von 75 t. Nach Fertigstellung wurden beide Schlepper auf eigenem Kiel nach Deutschland überführt. Die Ems trat sofort eine längere Charter in der Nordsee an, die Elbe wird in Bremerhaven für die Schiffsassistenz gebraucht.


-   Beschreibung

Allgemein: ELBE und EMS sind VS-Trecker mit den Antrieben unter dem Bug. Unter den Blättern der beiden VS-Propeller befindet sich eine Platte, die mehrere Aufgaben hat. Sie schützt die Flügel vor Grundberührungen, wird als "Standhilfe" im Dock verwendet und erhöht den Schub der Antriebe, ähnlich wie eine Kortdüse bei einem konventionellen Schraubenantrieb. Am Heck befindet sich eine Flosse, die sowohl zur Stabilisierung der Vorausfahrt, als auch zur Erhöhung der Steuerkräfte im Eskortdienst benötigt wird. Die beiden Schlepper werden von je zwei MaK Dieselmotoren vom Typ 8M25 angetrieben. Die Maschinen liefern eine Leistung von zusammen 7180bhp und betreiben die zwei VS-Propeller. Mit dieser Konfiguration erreichen die Schlepper eine Gechwindigkeit von 14kn und einen Pfahlzug von 75t. Die Bunkerkapazität beträgt 230m3 Treibstoff. Die Schlepper haben am Heck ein offenes Schanzkleid mit Heckrolle für den Einsatz im Offshorebereich.


Achter-/Arbeitsdeck:

Das Achterdeck hat einen Holzbohlenbelag und wird seitlich durch Laderelings begrenzt. Zwischen Ladereling und Schanzkleid sind Poller, Lüfter und Umlenkrollen untergebracht. In der Mitte des Arbeitsdecks kann ein Schleppbock hydraulisch nach oben gefahren werden. Die Klüse läßt sich durch einen Abdeckung, die an der Backbord-Ladereling gestaut ist verschließen. Bei eingeklapptem Schleppbock und verdeckter Klüse hat das ebene Arbeitdeck eine Größe von ca. 110 m2, die das Anbordnehmen von Ankern gestattet. Hinter dem Schleppbock sind ( wie bei Jade und Weser auch ) Karmoy Pins angeordnet. Die Schleppwinde hat eine Wasserfallanordnung und wurde von Hatlapa gebaut. Die untere Trommel führt zwei Stahltrossen mit einer Länge von 300m und einem Durchmesser von 52mm. Die Trommel für die Hafenverschleppung hat eine Zugkraft von 30t bei 0-24m/min, die Trommel für Anzieharbeiten hat eine Zugkraft von 80t bei 0-9m/min. Die obere Trommel ist für den Seebetrieb vorgesehen und führt eine Stahltrosse mit einer Länge von 1200m und dem gleichen Durchmesser. Die Zugkraft beträgt hier 30t bei 0-24m/min. Die Haltekraft der Winde ist zwischen 60t und 135t einstellbar. Der Antrieb der Winde besteht aus zwei Hydraulikmotoren. Backbord und Steuerbord neben der Schleppwinde befinden sich je eine Tuggerwinde mit je 10t Zugkraft. Ich konnte bei meiner Besichtigung KEINEN (!) Schlepphaken entdecken! Stattdessen befindet sich an der Basis der Schleppwinde eine Umlenkrolle.


Backdeck:

Das Backdeck ist ein ganzes Deck höher als das Achterdeck. Auf dem Backdeck befindet sich die Anker-/ Festmacherwinde von Hatlapa. Die Winde hat zwei Ankerspills, eine Festmachertrommel und einen Spillkopf. Sie ist ebenfalls hydraulisch angetrieben. Die hintere Verlängerung des Backdecks bildet bei der Elbe das Bootsdeck. An Steuerbord-Seite befindet sich eine Mob-Boot der Firma Zodiac mit dem Davit.An der Deckkante hinter dem Mob-Boot wurde der Mast mit der Heckbeleuchtung aufgestellt. Hinter dem Deckshaus an der Backbord-Seite befindet sich der Palfinger-Marine-Kran vom Typ PM 18080 MD S-20 mit einer Tragkraft von 0,8t bei 15m Ausladung. Außerdem sind an beiden Seiten hinter der Reling die Rettungsinseln gestaut. Vom Backdeck führen je Backbord und Steuerbord ein Niedergang zum Brückendeck.


Brückendeck:

Das Brückendeck bildet das Dach des Deckshauses. An der achteren Reling befindet sich ein große Funkantenne. Die Brücke läßt sich komplett umrunden. An der Reling der Niedergänge sind Rettungsringe angebracht. An der Kante des Decks laufen die Rohre für die Selbstschutzanlage. Die Brücke steht auf einem kleinen "Sockel" und kann von beiden Schiffseiten aus betreten werden.


Brücke:

Im Steuerhaus befindet sich eine Neuheit. Im Gegensatz zu den älteren Schleppern der URAG sind die ELBE und die EMS mit einem "sail-by-wire" System ausgestattet. Die Steuerungen der VS-Antriebe funktioniert hier elektronisch. Die Hebel und das Steuerrad sind erheblich in der Größe geschrumpft und sind nicht mehr direkt nebeneinander angeordnet. Im Steuerstand befinden sich zwei parallele Konsolen, wobei auf der Backbord-Konsole die Hebel und auf der Steuerbord-Konsole das Steuerrad eingebaut sind ( gilt für Vorausfahrt ). Die Radargeräte kommen von der Firma Koden( 2x Typ MDC 1810 P 16), es gibt eine Inmarsat Kommunikationsanlage, ein DGPS-Naviagtionssystem, Ein GMDSS-System und eine Funkausrüstung von Skanti. Der Kompass ist ein Navigat MK2.


Peildeck:

Auf dem Peildeck befindet sich der klappbare Mast mit der Navigationsbeleuchtung und die beiden Löschmonitore der Firma FFS. Je ein Suchscheinwerfer von Seematz zeigt nach vorn und nach achtern. Die Satellitenantenne ist von Simrad.


Unterbringungsmöglichkeiten:

Die beiden Schlepper haben 3 Einzelkabinen, 2 Doppelkabinen und eine Einzelkabine mit Zusatzbett. Im Hafenbetrieb sind 3 Mann Besatzung an Bord. Für den Offshorebereich sind zwei Wachen vorgesehen. Die Kabinen für Kapitän und Chefingenieur sind im Deckshaus oberhalb des Backdecks untergebracht. Alle übrigen Kabinen, die Messe und die Galley befindet sich auf Höhe Arbeitsdeck. Die Galley ist komplett in Edelstahl und von der Messe und dem Achterdeck zu betreten.


-   Einsätze

Die EMS hat ihre erste Charter in der Nordsee angetreten und wird einige Zeit unterwegs sein. Die Schlepper sind für die Hafenassistenz in den Nordseehäfen ( außer Hamburg ) vorgesehen. Durch ihre Ausrüstung und Bauart werden sie aber auch für Hochseeverschleppungen, Offshorearbeiten und Bergungsjobs eingesetzt. Die Versicherungen sehen diese Art von Schleppern gern bei den Offshorejobs, da sie die Sicherheit erhöhen.


-   Hauptabmessungen und Leistungen

Länge ü.A.: 37,06 m
Breite ü.A.: 13,12 m
Tiefgang maximal: 06,80 m
Vermessung: 633 GRT / 190 NT
Leistung: 7180 bhp
Geschwindigkeit: 14 kn
Pfahlzug: 75 t

Quellen:
Website Reederei URAG



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Elbe Ems
Elbe Ems
Elbe Ems
Elbe auf der Heling Ems
Elbe Ems
Elbe auf der Helling Ems
Elbe Elbe
Heckansicht Bugansicht der Brücke
Elbe Elbe
Brückendeck von achtern Palfinger Kran
Elbe Elbe
Backdeck Arbeitsdeck
Elbe Elbe
Schnazkleid am Arbeitdeck Ladereling und Schanzkleid
Elbe Elbe
Klappgelenk am Mast Mast
Elbe Elbe
Peildeck Suchscheinwerfer
Elbe Elbe
Draufsicht auf die Ankerwinde Draufsicht auf die Schleppwinde
Elbe Elbe
Schleppwinde Tugger-Winde
Elbe Elbe
Rettungsring mit Aussetzvorrichtung Abgaskamin an Backbord
Elbe Elbe
Rettungsinsel Heckansicht des Deckshauses
Elbe Elbe
Voith-Schneider-Antrieb Hauptmaschine
Elbe Elbe
Steuerstand am Bug Steuerstand am Heck
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