-   Die Bugsier 2 und 3

Nachdem die Bugsier Reederei Ende Februar 2004 die BUGSIER 1 bei der Werft K.Damen in Hardinxveld-Giessendam in den Niederlanden bestellt hatte, wurde Mitte November 2004 die Bestellung eines weiteren Schleppers bei der gleichen Werft bekannt. Diesmal sollte es ein größerer, seegehender Schlepper werden. Im März 2005 wurde die Bestellung eines zweiten Schleppers des gleichen Typs veröffentlicht. Die Ablieferung der Schlepper war für Ende 2005 und Mitte 2006 vorgesehen:

BUGSIER 2 und BUGSIER 3

-   Projektphase

Auch diese Neubestellungen bei K.Damen sollten äußerlich den Hitzler-Entwürfen für BUGSIER 19 bis 21 ähneln, vermutlich um eine Corporate Identity zu schaffen. Entworfen wurden die neuen Schlepper von K.Damen. Mit größerer Länge, einer erhöhten Back und wiederum Aquamaster Ruderpropellern sind BUGSIER 2 und BUGSIER 3 völlige Neuentwicklungen. Abweichend von BUGSIER 1 wurden die Rümpfe der Schlepper in Rumänien gebaut und über Donau, Main-Donau-Kanal, Main und Rhein zu K.Damen geschleppt. Die Rümpfe von BUGSIER 2 und 3 wurden Ende Januar 2006 bzw. Mitte April 2006 bei der Werft abgeliefert. Am 12.06.2006 wurde die noch antriebslose BUGSIER 2 zu Damen Shiprepair im Wiltonhaven in Rotterdam geschleppt und eingedockt. Dort wurden die Ruderpropeller, die Dockstütze und die Heckflosse montiert und der Rumpf mit dem endgültigen Farbanstrich versehen. Die Erprobung von BUGSIER 2 begann am 22.06.2006 und wurde mit der Seeerprobung am 29. und 30. Juni 2006 abgeschlossen. BUGSIER 2 wurde noch am 30.06.2006 von der Bugsier Reederei übernommen. Sie ging allerdings für Restarbeiten noch einmal zurück zu Damen Shiprepair. Sie verließ Rotterdam am 7.07.2006 und nahm am 8.07.2007 ihre Arbeit in Hamburg auf. Die Werfterprobung von BUGSIER 3 begann am 28.08.2006. Der Schlepper soll in der Woche vom 11. bis 16.09.2006 von der Bugsier Reederei übernommen und vermutlich in Bremerhaven eingesetzt werden.


-   Beschreibung

Allgemein: BUGSIER 2 und 3 sind Traktor Schlepper mit zwei Ruderpropellern unter dem Bug. Vor den Propellern ist mittschiffs eine Dockstütze vorgesehen, die die Ruderpropeller bei Grundberührungen schützen soll. Unter dem Heck ist zur Verbesserung der Richtungsstabilität eine große Steuerfläche, die Dockflosse, vorgesehen. Der Knickspantrumpf hat einen Spantabstand von 600mm und besteht aus sechs wasserdichten Abteilungen. Die Schlepper werden von zwei Deutz-MWM Dieselmotoren vom Typ SBV 9 M 628 mit einer Leistung von je 2.788PSe bei 1.000U/min angetrieben. Die Motoren treiben zwei von Rolls Royce gelieferte Ulstein Aquamaster US 305 FP Ruderpropeller mit Festpropellern von 2,60m Durchmessern in PV-Düsen an. Die Verbindung erfolgt über eine starre Welle und eine in den Aquamaster integrierte Schlupfkupplung. Die Ruderpropeller sind in einer Mulde im Rumpf montiert, um den Tiefgang zu vermindern. BUGSIER 2 und BUGSIER 3 erreichen mit diesem Antrieb eine maximale Geschwindigkeit von 12kn, einen Dauerpfahlzug von ca. 63t und bei 110% Motorleistung 67t . Der vertraglich geforderte Pfahlzug von 65t wurde wieder nicht erreicht. Bei der Maschinenleistung von 2.788PSe wären eigentlich Aquamaster US 255 ausreichend gewesen. Wegen der geforderten Eisklasse und den damit verbundenen Forderungen der Klassifizierungsgesellschaft wurde der stabilere US 305 mit gleichem Propellerdurchmesser von 2,60m eingesetzt. Die US 305 haben ein dickeres Getriebegehäuse auf der Propellerwelle, so dass sich im Vergleich ein kleinerer Wasserdurchsatz und damit geringerer Schub ergibt. Eine Vergrößerung des Propellerdurchmessers verbot sich aber wegen der Tiefgangsvorgaben der Reederei. Die Ursache für den zu geringen Pfahlzug ist damit aber nicht gefunden, da ja mit 110% Motorleistung 67t erreicht wurden, der Aquamaster 305 mit 2,60m Durchmesser also durchaus 65t Pfahlzug ins Wasser bringen kann. Die Tankkapazitäten betragen 185m3 Diesel-Treibstoff, 30m3 Trinkwasser, 50m3 Ballastwasser und 4m3 Schmieröl. BUGSIER 2 und 3 sind nach den Regeln des Germanischen Lloyd gebaut und als GL + 100A5 M E1, "Schlepper" GL + MC E1 AUT klassifiziert. Die Anordnung des Hauptdecks und die Ausrüstung zeigen, dass die Schlepper auch für Seeverschleppungen gedacht sind. Sie sind für ihre Einsätze mit Navigationsbeleuchtung so ausgestattet, dass sie dauerhaft mit Bug oder Heck voraus fahren kann.


Hauptdeck:
Erhöhtes Vordeck:

Das Hauptdeck wurde dem Einsatz auf See angepasst, indem dass Vordeck ca. 1m hinter der Vorderkante des Deckshauses beginnend um ca. 1,50m hochgesetzt wurde. Hier ist eine hydraulisch angetriebene, kombinierte Anker- und Festmacherwinde mit zwei Kettennüssen, zwei Festmachertrommeln und zwei Spillköpfen montiert. Sie wurde von dem niederländischen Windenhersteller Kraaijeveld geliefert und hat 10t Zugkraft. Als Anker sind zwei HHP- (High Holding Power) Anker des Typs Pool mit 330m Stegankerkette mit 24mm Durchmesser vorgesehen. Vor der Winde sind zwei Paar Umlenkrollen eingebaut.


Achterdeck:

Hinter dem Deckshaus ist auf dem Achterdeck die hydraulisch betriebene Wasserfall-Schleppwinde mit zwei Trommeln untergebracht. Die Winde vom Typ KA-8-H-TR/TR wurde von der niederländischen Firma Kraaijeveld geliefert. Die Winde hat eine Zugkraft von 80t bei 7m/min und eine Bremskraft von 180t. Die obere Trommel ist mit einem Stahldraht von 800m Länge und 52mm Durchmesser belegt. Die untere Trommel trägt das Hafenschleppgeschirr mit 150m Stahldraht von 52mm Durchmesser, einem Recker und einem Stahldraht-Vorläufer. Direkt hinter der Schleppwinde ist ein großer Schleppbock angeordnet, an dessen Steuerbordpfosten der Mampaey-Schlepphaken mit 65t zulässiger Last befestigt ist. Hinter diesem Schleppbock befindet sich, leicht nach Backbord versetzt, die Beistopperwinde mit 10t Zugkraft bei 30m/min. Sie stammt ebenfalls von Kraaijeveld. Ungefähr 4m hinter dem großen Schleppbock befindet sich ein weiterer, jedoch wesentlich kleinerer Bock. Im Heckschanzkleid befindet sich in Schiffsmitte eine Klappe, die Ankerarbeiten möglich macht, ohne aber den Anker an Bord nehmen zu können. Seitlich neben der Klappe, jeweils ca. 1,50m nach Backbord und Steuerbord versetzt, sind zwei hydraulisch betriebene Pins der Firma Oelkers & Eicher eingebaut. Hinter der Schleppwinde ist das Achterdeck mit Holz belegt.


Mittelschiff:

Hier ist das Deckshaus mit dem Fußboden auf Achterdeckshöhe angeordnet. Es beherbergt auf der Backbordseite vom Bug zum Heck eine Einzelkabine für den Chief, eine Doppelkabine für die Crew, Sanitärraum, Umkleideraum und Lager. Auf der Steuerbordseite sind es eine Offiziers-Einzelkabine, eine Doppelkabine für die Crew, die Messe, die Kombüse und den CO2-Raum. Die Aufbauten sind voll klimatisiert.


Unterhalb Hauptdeck:

Hier befinden sich vom Bug zum Heck folgende sechs wasserdichte Abteilungen: Vorpiek mit Ballasttanks, Werkstatt und Lager, Ruderpropellerraum, Maschinenraum, Seillast und Achterpiek mit Ballasttanks. Im Maschinenraum sind neben den beiden Hauptmaschinen zwei Stromaggregate mit 225kVA und ein Hafengeneratorset mit 30kVA sowie die Hydraulikeinheit von Kraaijeveld untergebracht. In der Seillast ist eine hydraulische Speicherwinde von Kraaijeveld mit 800m Stahldraht von 52mm Durchmesser montiert. Sie hat eine Zugkraft von 4t bei 20m/min.


Bootsdeck:

Es ist die Decke des Deckshauses und trägt im mittleren Bereich die Einbettkajüte des Kapitäns, den Klima- und Lüftungsraum, Elektroschaltraum, Batterieraum und das Treppenhaus zum darüber liegenden Steuerhaus. Vor dem Aufbau befindet sich, hinter einem Wellenbrecher, das MOB-/Arbeitsboot mit 25PS Außenbordmotor und seiner Davit. Am achteren Ende des Decks ist auf der Steuerbordseite ein Palfinger Hydraulikkran montiert. Seine Lasten werden durch eine Stütze in den Rumpf abgetragen. Der Kran hat ein Lastmoment von 13,3tm und eine Tragkraft von 0,64t bei 12m Ausladung. Am achteren Ende des Decks ist je Schiffsseite eine aufblasbare Rettungsinsel für 10 Personen in einem Abwurfgestell untergebracht.


Brückendeck:

Es beherbert das Steuerhaus. Jeweils vorne und hinten sind Steuerpulte angeordnet. Die Navigationsausrüstung besteht aus zwei Radargeräten, elektronisches Seekartensystem, Echolot, Magnetkompass, Satellitenkompass, Autopilot, Geschwindigkeitsmesser und AIS. Ein erheblicher Teil dieser Ausrüstung stammt von Furuno. Zu den Sicherheitseinrichtungen gehören unter anderem das automatische Seenot- und Sicherheitsfunksystem GMDSS Area 2 einschließlich Navtex Empfänger, SART und EPIRB. An Funkausrüstung stehen Inmersat-C, Inmersat-F, zwei VHF- Geräte mit DSC, Wetterkarten-Recorder und MF/HF Gerät zur Verfügung.


Peildeck:

Das Dach des Steuerhauses trägt den Mast, den Magnetkompass und zwei fernbediente Suchscheinwerfer mit je 1.000W.


Besatzung:

Im Hafeneinsatz fahren BUGSIER 2 und 3 mit drei Mann Besatzung. Mit drei Einzelkabinen und zwei Doppelkabinen ist Raum für 7 Personen im Offshore-Einsatz. Da die Einzelkabinen zusätzlich mit je einem Wandklappbett ( Pullman-Bett) ausgestattet sind, kann die Besatzung maximal 10 Personen betragen.


-   Einsätze

Die BUGSIER 2 ist derzeit in Hamburg stationiert und arbeitet als Hafenschlepper. Offshore-Einsätze sind geplant.


-   Hauptabmessungen und Leistungen

Länge ü.A.: 32,80m
Länge zw. Loten: 30,00m
Breite ü.A.: 11,75 m
Seitenhöhe auf Spanten: 04,24m
Höhe ü. Wasserlinie: ca. 16,80m, 13,80m mit abgeklappten Mast
Tiefgang Rumpf: 03,40m
Tiefgang Antriebeinheiten: 06,70m
Vermessung: 430grt
Leistung: 2x 2.788PSe (2x 2.050kW)
Geschwindigkeit: 12kn
Pfahlzug: 63t, 67t bei 110% Motorleistung

Quellen:
Website Bugsier Reederei,
Shipyard K.Damen



Für Vergrößerungen der Bilder bitte auf die Miniaturen klicken!
- -
BUGSIER 2 BUGSIER 3
BUGSIER 2: in der Werft BUGSIER 3: in der Werft
BUGSIER 2 und 3 BUGSIER 2
Bugsier 3: in der Werft BUGSIER 2: Werfterprobung
BUGSIER 2 BUGSIER 3
BUGSIER 2: Werfterprobung BUGSIER 3: Werfterprobung
BUGSIER 3 BUGSIER 2
BUGSIER 3: Werfterprobung Bugsier 2: Bugansicht des Aufbaus
BUGSIER 2 und 21 BUGSIER 3
Ähnlichkeiten zwischen Bugsier 2 und Bugsier 21 Bugsier 3: bei den Pfahlzugtests
BUGSIER 3 BUGSIER 2
Bugsier 3: Test der unteren Trommel Bugsier 2: Schlepperanleger Neumühlen
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Stb-Seite Aufbau Bugsier 2: Vordeck
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Bugansicht Mast Bugsier 2: Bb-Seite Aufbau
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Detail Ankerwinde Bugsier 2: Kettenstopper
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Kran Bugsier 2: Schleppwinde
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Achterdeck Bugsier 2: Klappe Heckschanzkleid
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Schleppwinde Bb-Seite Bugsier 2: Schleppwinde Stb-Seite
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: grosser Schleppock Bugsier 2: kleiner Schleppbock
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Beistopperwinde Bugsier 2: Schlepphaken
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Bootsdeck Bugsier 2: MoB-Boot
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Niedergang Vordeck Bugsier 2: Eprib-Boje
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: achterer Fahrstand Bugsier 2: Bugfahrstand
BUGSIER 2 BUGSIER 2
Bugsier 2: Hauptmaschine Bugsier 2: Aquamaster
- -